Hast du dir auch schon mal gesagt: “Ich will mein Kind nicht mehr anschreien.” und dir vorgenommen gelassener zu bleiben? Doch dann warst du spät dran, dein Kind hat sich das Müsli über die Hose gekippt und während du den Boden putzt macht es überhaupt nicht vorwärts mit dem Anziehen. Klar wirst du laut, geht ja auch gar nicht anders, sonst kommt ihr zu spät. Oder?

Ich höre immer wieder von Eltern, dass sie sich eigentlich einen Umgang mit ihren Kindern wünschen, wo keine autoritären Methoden nötig sind. Sie möchten lieber in Beziehung mit ihrem Kind bleiben und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Darum fühlt es sich als Mama gar nicht so toll an, wieder laut zu werden, doch es fehlt scheinbar die Alternative.

müsli auf der hose

Wie geht es dir dabei, wenn du dein Kind anschreist? Und wie denkst du, geht es deinem Kind dabei?

Ich bin davon überzeugt, dass es einen Weg gibt, der für die Eltern und das Kind erfreulicher ist. Einige Ideen dazu teile ich in diesem Artikel mit dir und ich freue mich über deine Rückmeldung, wie das bei dir geklappt hat. Gerne auch in der Facebook Gruppe müde Supermamas, hier kannst du auch Fragen stellen und dich mit anderen Mamas austauschen.

Erziehung oder Kooperation?

Erziehung, so denken wir, läuft immer in die eine Richtung. Wir Eltern müssen wissen, was richtig und gut ist und es ist unsere Aufgabe, dies irgendwie in unsere Kinder reinzubekommen. Das ist sogar schon in der Theorie eine unglaubliche Verantwortung. In der Praxis funktioniert es dann noch nicht einmal und bringt uns an unsere Grenzen.

Wir Eltern beginnen mit der Erziehung oft dort, wo wir es kennen. Wir erziehen also so, wie wir es selbst erfahren haben oder in unserem Umfeld mitbekommen. Oft beinhalten diese Methoden Macht, Druck, Strafe und auch Schreien.

Heute stehen uns jedoch ganz andere Informationen zur Verfügung über die kindliche Entwicklung und darüber, was überhaupt etwas bringt. Wir haben auch ganz andere Erziehungsziele als etwa noch unsere Grosseltern hatten.

Der dänische Famlilientherapeut Jesper Juul hat in vielen seiner Bücher betont, dass Kinder eigentlich kooperieren wollen und wir sie nicht etwa dazu erziehen müssen. Unsere Erziehungsversuche bewirken oft eher das Gegenteil, wenn sie auf strikte Verbote und Kritik beruhen.

Ich will mein Kind nicht mehr anschreien, aber ich sehe keinen anderen Weg

Viele haben es als Kinder selbst erlebt, dass die Eltern laut wurden, wenn sie sich sonst nicht mehr zu helfen wussten. Gerechtfertigt wurde es damit, dass du als Kind ihnen keine andere Wahl gelassen hast.

Das hast du ihnen natürlich geglaubt, denn als Kinder haben wir noch keine Möglichkeiten solche Aussagen zu hinterfragen. 

So haben wir auch heute das Gefühl, es ginge gar nicht ohne laut zu werden und zu schimpfen. Wir sind der Überzeugung, dass es das braucht, damit ein Kind sich benimmt und was aus ihm wird.

Was ist dein Erziehungsziel? Hast du eines? Vielleicht möchtest du, dass dein Kind ein selbständiger, selbstbewusster und zufriedener Erwachsener wird, welcher stark für sich und seine Meinung einsteht. Eine schöne Vorstellung. Glaubst du, dass dies gelingt indem dein Kind lernt sich zu benehmen und das zu tun, was du möchtest?

Nicht nur gut für das Kind, sondern auch gut für die Mama

Das Schreien und Schimpfen zu reduzieren bringt nicht etwa nur deinen Kindern wahnsinnig viel, sondern auch dir selbst. Es führt zu

  • einer besseren Beziehung zu deinem Kind
  • einem besseren Gefühl mit dir selbst
  • du kannst ganz viel über dich selbst lernen
  • die Veränderungen werden positive Auswirkungen auf dein gesamtes Leben haben

Schreien erschreckt unsere Kinder, es unterbricht die Bindung und bringt sie in den Notmodus (falls sie dort nicht schon waren). Die erwünschte erzieherische Funktion hat Schreien somit nicht. Das Kind hört dann nicht etwa auf, weil es verstanden hat, dass es etwas nicht tun soll, sondern weil es im Notmodus ist und einfriert. Sein Körper schüttet Stresshormone aus. Diese kann es nicht abbauen und es wird in der nächstmöglichen Situation wieder “austicken”, um diese Hormone zu entlassen.

Gute Beziehung mit den Kindern

Im schlimmsten Fall trainierst du deine Kinder sogar darauf nicht auf dich zu hören, bis du schreist und ganz bestimmt lernen sie daraus in Stress-Situationen auch zu schreien oder einzufrieren.

Es ist möglich deine Grenzen ruhig und klar zu kommunizieren. Das bedeutet nicht, dass du nicht von deinen Kindern getriggert oder wütend wirst. Jedoch kann es gelingen mit deinen Emotionen so gut umgehen zu lernen, dass du diese selbst regulieren kannst, ohne deine Gefühle auf deine Kinder zu übertragen.

Du wunderst dich vielleicht, wie das möglich sein soll? Hier stelle ich dir 7 Impulse vor, wie du es schaffst, ruhiger und klarer mit deinen Kindern umzugehen.

1 Deine Hauptaufgabe als Mama

Du musst nicht etwa dafür sorgen, dass dein Kind gelingt. Kinder sind schon gut und sie möchten mit dir kooperieren. Es braucht dazu keine erzieherischen Massnahmen. Das sind super News, denn das erleichtert deinen Job ungemein.

So viele Mamas haben das Gefühl, sie seien dafür verantwortlich, dass aus ihren Kindern etwas wird und dazu müssten sie sie richtig erziehen. So ist es nicht. Kinder brauchen nur den Rahmen, um sich darin entwickeln zu können. Dieser Rahmen ist die körperliche und emotionale Sicherheit, Freiraum sowie deine Liebe, die dein Kind spürt, egal was es gerade getan hat.

2 Nimm es dir vor, aber sei nachsichtig

Nimm dir vor nicht mehr zu schimpfen oder zu schreien. Das klingt sehr einfach, ist aber ein wichtiger Schritt. Nur schon dieser Gedanke wird dir in einigen Situationen dabei helfen, diese ruhiger zu lösen. Lebst du deinen Kindern einen respektvollen Umgang vor, dann werden deine Kinder diesen von dir lernen.

Sei nachsichtig, wenn es nicht gelingt. Das ist völlig menschlich und wird immer wieder passieren. Vor allem, wenn sich dies schon sehr eingebürgert hat bei dir zuhause. Das ist ok. Bleibe aber dran und über weiter, es wird immer besser und besser gelingen. Vor allem auch, weil es sich so gut anfühlt und es immer einfacher wird, gelassen zu bleiben.

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Diese 3 einfachen Schritte werden dir dabei helfen

3 Dein Kind verhält sich wie ein Kind

Rufe dir immer mal wieder in Erinnerung, dass sich dein Kind einfach nur verhält wie ein Kind. Es tut nichts, um dich zu ärgern. Es tut immer nur Dinge, die ihm bei etwas helfen oder etwas ermöglichen, was es gerade braucht. Das kann durchaus beinhalten eine Reaktion von dir auszulösen.

Kinder brauchen Freiraum, um sich zu entwickeln und sie müssen auch Grenzen austesten, um zu sehen wie sehr diese in Stein gemeisselt sind. Auch können Kinder in stressigen Momenten nicht mehr vernünftig handeln, weil ihr Gehirn dazu noch nicht in der Lage ist. Das erwachsene Gehirn kann dies sehr viel besser und darum liegt die Verantwortung vernünftig zu sein bei uns.

4 Baue eine Verbindung auf

Manchmal kann die Lösung ganz einfach sein und dein Kind hat dich einfach nicht gehört. Geh zu ihm hin, stelle eine Verbindung her indem du ihm die Hand auf die Schulter legst oder den Rücken streichelst und schaue ihm in die Augen. Dazu solltest du auf seiner Augenhöhe sein.

Schaut es dich an, ist die Verbindung aufgenommen. Bring dein Anliegen jetzt noch einmal vor. Besser ist es, wenn du dein Anliegen überhaupt erst verbringst, wenn die Verbindung schon hergestellt ist. 

Die Verbindung wird noch besser, wenn du kommentierst, was das Kind gerade tut: “Der Bagger ist aber schwer beladen.” Damit fühlt sich das Kind gesehen und verstanden, was es sehr viel offener für dein Anliegen macht.

So machst du es dir viel einfacher. Wiederholst du normalerweise 7 Mal, dass es Essen gibt und ärgerst dich darüber wenn niemand hört? Zwar musst du dich vielleicht etwas mehr bewegen, bis du beim Kind bist und einen Satz zurechtlegen, der über “Eeeeeeessen!” hinausgeht. Aber wenn du sofort die Aufmerksamkeit deines Kindes hast und dieses nach dem Abladen des Baggers auch zum Abendessen kommt, hast du sehr viele deiner Nerven gespart.

Mama nicht die Nerven - zum im Text einfügen

5 Keine Wiederholungen

Wenn dein Kind nicht reagiert hat, als du gesagt hast, es solle nun endlich sein Zimmer aufräumen, dann wiederhole es nicht einfach. Gehe in einem solchen Fall immer davon aus, dass dein Kind dich nicht gehört hat.

Versuche als nächstes eine Verbindung aufzubauen und trage dann nochmals deine Bitte vor.

Mir passiert es regelmässig, dass mein Mann mich nicht hört, wenn ich ihn um etwas bitte. Wie könnte ich denn von meinem Kind etwas erwarten, was nicht mal ein erwachsener Mann kann?

6 Mach es dir nicht zu schwer

Benutze einfache Worte und möglichst wenige davon, wenn du eine Bitte an dein Kind formulierst. Je einfacher und klarer die Anweisung ist, desto eher wird dein Kind sie befolgen. 

einfach zähne putzen mit dem Kind

Gibt es einen Konflikt daraus oder dein Kind weigert sich etwas zu tun, so hast du immernoch die Möglichkeit zu erklären. Du kannst aber auch einfach sagen, dass du etwas nicht möchtest oder es dir wichtig ist.

Kinder hören oft lieber, wenn du deine Anliegen spielerisch anbringst. So kann eine Handpuppe in deinem Namen sprechen. Die Zähne werden erst dem Plüschtier geputzt oder ihr singt und tanzt, wenn ihr merkt, dass alle gestresst sind. In Facebook Gruppen oder auch durch Google Suchen kannst du viele spielerische Wege für den Umgang mit ungeliebten Tätigkeiten finden.

Vielleicht findest du sogar Lösungen, die euch beiden Spass macht. Also ein win-win und auch wenn nicht, dass es kein Geschrei und Streit gibt, kann schon Belohnung genug sein für den Mehraufwand.

7 Mach es lieber einfach

Wenn du es dir einfacher machen möchtest, dich nicht zu ärgern über eine Reaktion deines Kindes, dann versuche es mit einem Perspektivenwechsel. Wie würde es dir in dieser Situation gehen?

Ich habe dazu eine wundervolle Geschichte gelesen von einem gelben und einem blauen Pulli. Leider weiss ich nicht mehr wo ich diese gefunden hatte. Die Autorin beschreibt, sie sei im Kleidergeschäft gewesen und wollte einen blauen Pulli kaufen, doch ihr wurde ein gelber eingepackt. Als sie sich beschwerte, wurde ihr gesagt, sie solle sich nicht so anstellen, das spiele nun wirklich keine Rolle. Sie wurde nicht ernst genommen und nur belächelt.

Genau so geht es einem Kind, welches den blauen statt den gelben Becher haben möchte.

Das ist ein sehr anschauliches Beispiel für den Perspektivenwechsel. Dieser kann oft helfen, gar nicht so wütend zu werden. Ein Kind welches sich am Boden wälzt, weil es den blauen Becher haben möchte, kann uns Mamas in den Wahnsinn treiben. Die Vorstellung hingegen, wir würden im Kleidergeschäft nicht ernst genommen erscheint absurd.

Daraus kannst du dann auch gleich ableiten, was du zu deinem Kind sagen könntest: “Ich weiss, du wolltest nun gerne den blauen Becher haben, der ist aber gerade im Geschirrspüler. Du kannst zwischen dem gelben, dem roten und dem weissen wählen.”

Zusatz: Löse die Trigger bei dir

Das ist vielleicht der herausfordernste Tipp, aber auch der gewinnbringendste für dich, wenn du sagst: “Ich will mein Kind nicht mehr anschreien.”. Dein Kind ist nicht die Ursache deiner Wut, sondern der Auslöser. Die Ursache liegt irgendwo in dir drin vergraben. 

quänglige kinder

Solche Ursachen können alte Muster und Prägungen sein, vielleicht aus der Kindheit. Wir tragen viele Glaubenssätze mit uns herum, einige davon sind für aber überhaupt nicht (mehr) hilfreich. Dazu meldet sich gerne der innere Kritiker zu Wort und stresst uns zusätzlich. Auch das Mutterbild beeinflusst unsere Reaktion auf gewisse Reize aus dem Aussen.

Um nachhaltig gelassener und zufriedener zu werden, nicht nur im Umgang mit der Familie, kann es wichtig sein, hier genauer hinzuschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn mit nur wenigen Stunden Aufwand kann sich deine Lebensqualität grundsätzlich verbessern.

In meinem Artikel “Wie bleibe ich ruhig bei meinem Kind? In 7 Schritten zur entspannten Mutter” stelle ich dir diese Zusammenhänge etwas genauer vor. Möchtest du tiefer an diesen arbeiten? Dann melde dich bei mir für ein 1:1 Coaching.

ich möchte mein kind nicht mehr anschreien
Gelassen bleiben als Mama

Ja, ich möchte mit meinen Kindern auch in stressigen Situationen ruhiger bleiben.

Du bist dabei

Ja, ich möchte mit meinen Kindern auch in stressigen Situationen ruhiger bleiben.

Du bist dabei

Ja, ich möchtemehr Energie für meinen Mama-Alltag!

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